Geschichte - von der römischen Herrschaft bis zur Expo 98

 



 

Bereits die Phönizier und die Karthager sollen den Platz Alis Ubbo (dt. fröhliche Meeresbucht bzw. lustiger Meeresbusen) als einzigen großen Naturhafen an der iberischen Atlantikküste genutzt haben, archäologisch wurde dies bisher nicht bewiesen, hingegen wurden griechische Siedlungsspuren gefunden. Nach Plinius dem Älteren war Lissabon eine Gründung von Odysseus.

Ab 205 v. Chr. hieß Lissabon unter römischer Herrschaft Olisipo.

48 v. Chr. erhielt Lissabon unter Julius Caesar die römischen Stadtrechte und war als Felicitas Julia Hauptort der Provinz Lusitania.

719 wurde Lissabon von Mauren erobert. Alfons II. eroberte Lissabon 798 für kurze Zeit zurück. Die Stadt fiel danach wieder an die Mauren. 955 sandte Ordonho III. de Leão im Kampf gegen die Muslime seine Armee bis nach Lissabon. 1147 gelingt die Belagerung von Lissabon (reconquista, dt. Rückeroberung) durch die Christen unter König Dom Alfonso Henriques. Die erfolgreiche Belagerung der Stadt durch ein Kreuzritterheer des Zweiten Kreuzzugs sicherte dem König die Grundlage für die Herrschaft über das gesamte Land.

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts erblickte der heilige Antonius von Padua, der zuweilen auch Antonius von Lissabon genannt wird, in Lissabon das Licht der Welt.

1256 verlegte Afonso III. den Königssitz von Coimbra nach Lissabon. Die Stadt wurde damit zur Hauptstadt des Königsreichs.

1344 wurde die Lissabon von einem Erdbeben erschüttert.

1348 bis Anfang 1349 fielen der großen Pest wahrscheinlich mehr als ein Drittel der Bevölkerung des Landes zum Opfer. Sie dezimierte auch die Bevölkerung der portugiesischen Hauptstadt enorm.

1367 ließ Ferdinand I. ließ nach seiner Thronbesteigung eine Stadtmauer errichten. Die Bauarbeiten an der Ringmauer waren um 1370 abgeschlossen.

Im Frieden von Alcoutim verpflichtete sich Ferdinand I. unter anderem eine Tochter Heinrich II. zu heiraten. Er verliebte sich dann aber in die portugiesische Adlige, Leonore Teles de Menezes, und heiratete diese anstatt der kastilischen Prinzessin. Verärgert über den Vertragsbruch griff Heinrich II. daraufhin Portugal an und plünderte 1373 Lissabon.

Unter der Herrschaft Manuels I. war Lissabon führend im Welthandel.

Am 9. September 1499 wurde Vasco da Gama nach seiner ersten Indienreise ein triumphaler Empfang bereitet. In den folgenden beiden Jahrhunderten wuchsen Handel, aber auch die Ausbeutung der portugiesischen Kolonien in Asien und Südamerika. Dies führte zu Wohlstand in Lissabon. Der Lissabonner Hafen war in der damaligen Zeit einer der größten der Erde.

1527 bis 1532 wurde unter Johann III. die erste Volkszählung in Portugal durchgeführt. Lissabon zählte 13.010 Haushalte bzw. zwischen 50.000 und 65.000 Einwohner. Die Stadt hatte sich zu einer europäischen Metropole entwickelt.

1531 wurde Lissabon erneut von einem Erdbeben erschüttert. Dabei kam eine unbekannte Zahl von Einwohnern ums Leben. Die Schätzzahlen liegen zwischen 1.000 bis 30.000 Menschen.

1536 wurde unter Johann III. die Inquisition eingeführt. Vier Jahre später fanden in Lissabon die ersten öffentlichen Vollstreckungen von Urteilen statt.

1569 forderte eine Pestepidemie in Lissabon und Umgebung 60.000 Menschenleben.

1580 nahm der Herzog von Alba im Rahmen eines Portugalfeldzugs Lissabon in Besitz. Zwei Jahre später verstarb er in Lissabon als Portugiesischer Generalgouverneur. Vom Tag der Eroberung blieb Lissabon für die folgenden 60 Jahre von den Spaniern besetzt.

Am 1. Dezember 1640 schlossen sich mehrere portugiesische Adlige zum Aufstand gegen die spanische Regierung zusammen. Frankreich, der große Widersacher der Habsburger und damit Spaniens, sah darin eine Chance, die Spanier zu schwächen und ermuntert den Herzog von Braganza zum Aufstand. In einem Handstreich wurde die spanische Statthalterin, die Herzogin von Mantua, in Lissabon gestürzt und das Oberhaupt der Familie Braganza, Herzog Johann II. am 15. Dezember 1640 als Johann IV. zum König von Portugal ausgerufen. 1668 beendete der Vertrag von Lissabon den Spanisch-Portugiesischen Krieg.

Am 1. November 1755 wurde Lissabon durch ein starkes Erdbeben zu zwei Dritteln zerstört. Nach heutigen Schätzungen hatte es die Stärke 8,7 bis 9,0. Zeitgenössische Quellen geben allein für Lissabon bis zu 60.000 Todesopfer an. Die Erschütterungen waren in ganz Europa und Nordafrika zu spüren. Planmäßig wiederaufgebaut wurde die Stadt von dem Markgrafen von Pombal. Besonders typisch für diesen Wiederaufbau ist die Baixa, die Unterstadt, mit ihren rechtwinklig angelegten Straßen im Bereich um die Rua Augusta. Neben den physischen Schäden, die das Erdbeben anrichtete, erschütterte es auch die aufklärerischen und theistischen Denkrichtungen vieler Philosophen, welche die Ursache dieser Naturkatastrophe nicht erkannten und ihren Optimismus aufgaben. Voltaire schrieb als Reaktion auf das Beben sein Poème sur le désastre de Lisbonne (1756).

1780 erhielt Lissabon seine erste Straßenbeleuchtung mit Öllaternen.

1800 eröffnet das erste Postamt Lissabons.

1811 brach Typhus aus.

1833 folgte dann Cholera. Daran starben innerhalb von 9 Monaten 13.522 Menschen.

1849 wurden die ersten Straßenlaternen mit Gas beleuchtet.

1851 eröffnete die Eisenbahnlinie Lissabon - Carregado.

Am 20. April 1859 wurde im Vertrag von Lissabon die Aufteilung und der Austausch portugiesischer und niederländischer Besitzungen auf dem Solor- und Timorarchipel zwischen Portugal und den Niederlanden vereinbart.

1873 erfolgte die Inbetriebnahme der Pferdebahn, genannt "O Americano".

1878 wurden die ersten elektrischen Straßenlaternen angeschlossen.

Am 5. Oktober 1910 wurde auf dem Balkon des Rathauses die Erste Portugiesische Republik ausgerufen. König Emanuel II. floh daraufhin ins Exil nach England. Damit endete die 771-jährige Geschichte der portugiesischen Monarchie. 1926 wurde diese Republik durch einen Militärputsch beendet.

1928 wurde António de Oliveira Salazar Finanzminister und 1932 Ministerpräsident und Diktator von Portugal. Während der Diktatur des Estado Novo von 1926 bis 1974 wuchs die Stadt weiter. Sie wurde zu Lasten des restlichen Landes ausgebaut.

Am 17. Mai 1959 wurde nach rund zehnjähriger Bautätigkeit die Cristo-Rei Statue eingeweiht.

Im Dezember 1959 eröffnete die erste Metrolinie Lissabons.

1966 wurde die Hängebrücke über den Tejo nach Almada fertig gestellt.

Ende April 1974 war Lissabon das Zentrum der Nelkenrevolution. Die Nelkenrevolution bezeichnet den Aufstand der Armee in Portugal am 25. April 1974 gegen die herrschende Diktatur des Estado Novo. Sie verdankt ihren Namen den Nelken, die den aufständischen Soldaten - im Rahmen des allgemeinen Volksfestes, und der Freude, angesichts der Ereignisse - in die Gewehrläufe gesteckt wurden. Sie verlief beinahe unblutig: Es gab vier Tote, als verbleibende regimetreue Truppen vor dem Sitz der Geheimpolizei auf unbewaffnete Demonstranten feuerten. Die Revolution eröffnete den Weg zur demokratischen dritten Republik.

1986 wurde Portugal Mitglied der EU.

1988 zerstörte ein Großbrand im Altstadtviertel Chiado diverse Gebäude.

1995 wurde Lissabon Kulturhauptstadt Europas.

1998 wurde die insgesamt über 17 Kilometer lange Autobahnbrücke Ponte Vasco da Gama über den Tejo anlässlich der Weltausstellung Expo 98 fertig gestellt.

1998 wurde die Weltausstellung Expo 98 in Lissabon veranstaltet. Die Weltausstellung, die erste in Portugal und die zweite auf der Iberischen Halbinsel, stand unter dem Motto “Os oceanos: Um património para o futuro”, zu Deutsch ”Die Ozeane: Ein Erbe für die Zukunft“.

 

 



 

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